Kohlgraf
Kohlgraf

Anton Kolgraff aus Bliesheim

Anton Kolgraffs Geburtsjahr wird ungefähr auf den Zeitraum zwischen 1585 und 1590 geschätzt. Er verbrachte wahrscheinlich sein gesamtes Leben in Bliesheim. In seine Lebenszeit reichten noch die Ausläufer der Renaissance, die Ära des bedeutenden wissenschaftlichen und künstlerischen Fortschritts. Antons Eltern und Großeltern dürften die Auswirkungen der Reformation wahrscheinlich am eigenen Leib gespürt haben, als der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten – nach den 95 Thesen Luthers zu Wittenberg im Jahre 1517 – wuchs. Die Familie Kolgraff folgte, wie alle anderen im Rheinland auch, den Lehren der katholischen Kirche.

 

 

 

Obwohl sich die Bevölkerung in Europa und auch die im Rheinland langsam von den schrecklichen Auswirkungen der Pest erholt hatte und stetig wuchs, überflügelte eine vernichtend hohe Sterberate im 17. Jahrhundert die Geburtenrate bei weitem.[i] Kriege bzw. aufgrund der Kriegswirren brachliegendes Land und fehlende Viehzucht waren dafür verantwortlich. Große Hungersnöte folgten auf Missernten. Schlechtes Wetter verschlimmerte zudem die an sich schon schlechte landwirtschaftliche Produktion. Eine Serie von Epidemien breitete sich aus; schwierige Lebensbedingungen machten die Menschen anfällig für die Blattern, Typhus, Cholera und die periodisch wiederkehrende Pest.

 

 

 

Als Kind und junger Mann wird Anton Kolgraff diese harten Lebensumstände selbst erfahren haben. Mit seiner Frau Anna hatte er einen Sohn, Peter, der in Bliesheim im Jahre 1615 geboren wurde.

Peter Kolgraff aus Bliesheim

eter Kolgraff wurde drei Jahre vor dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges geboren. Der Krieg sollte ganz Deutschland verwüsten.  Der Begriff ,,30-jähriger Krieg“ umfasst eine Reihe erklärter und unerklärter Kriege, die in ganz Europa zwischen 1618 und 1648 wüteten. Der 30-jährige Krieg wurde aufgrund der Konflikte zwischen Katholiken, Lutheranern und Calvinisten[ii] sowohl als Religionskrieg als auch im Sinne politischen Machtstrebens zwischen den meisten Ländern Westeuropas geführt. Der Löwenanteil aller Schlachten wurde in Deutschland ausgetragen.[iii] Tod und Zerstörung variierten mit Jahr und Tag von Ort zu Ort. Die Bevölkerungszahl in Europa sank drastisch von geschätzten 17 Millionen auf nur 8 Millionen. In manchen umkämpften Gebieten fanden über 70% der Bevölkerung den Tod.

 

 

 

 

Der Krieg hinterließ auch eine Spur massenhafter Vernichtung von Eigentum. Einige Dörfer verschwanden einfach von der Landkarte; Unkraut überwucherte nutzlos die großen Ackerflächen, große Viehbestände waren vernichtet worden. Zu allem Unglück pflegten unbezahlte Söldnertruppen sich bei den Bauern und Tagwerkbesitzern schadlos zu halten und ließen gewöhnlich nach ihrem Abzug nichts als „verbrannte Erde“ zurück. Für die Überlebenden bedeutete dies den langsamen Hungertod oder Siechtum. Epidemien wie Typhus verbreiteten sich durch die umherziehenden Truppen. Wegen der chronischen Unterernährung entpuppten sich selbst harmlose Krankheiten zumeist als tödlich.

 

 

 

Die letzten zehn Jahre des 30-jährigen Krieges dürften wohl in die Zeit gefallen sein, als Peter und Anna Kolgraff heirateten und ihre Familie gründeten. Ihr ältester dokumentierter Sohn war Gerhardt Kohlgraf, geboren im Jahre 1641.

 

 

 

Der 30-jährige Krieg endete mit dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648. Obwohl dieser Frieden ein gewisses Maß an Verbesserung der Lebensqualität für die Bevölkerung Europas bringen sollte, erschwerte er doch vielerorts den Zugang zum Meer, wo die Mündungen aller großen Flüsse von ausländischen Mächten kontrolliert wurden. Ohne den ungehinderten Zugang zum Meer litten Handel und Wirtschaft; denn Rohstoffe, Baumaterial und andere Notwendigkeiten des täglichen Lebens waren nicht zu erhalten. Städte und Dörfer verkamen, und die Wirtschaft der Region blieb zerstört.

 

 

 

Die politische Konsequenz des Westfälischen Friedens resultierte in der Anerkennung von insgesamt mehr als 4.300 unterschiedlichen souveränen Staaten. Der deutsche König war gegenüber den zahllosen Prinzen, die jeweils ihr eigenes Land regierten, praktisch machtlos. Die Pachtbauern und die Mittelschicht mussten erleben, wie Steuern und Pachten dramatisch stiegen. Ihrer Mobilität wurden erhebliche Beschränkungen auferlegt. Die Herrschenden setzten sich zusammen aus den landbesitzenden Aristokraten, aus den Adligen im Militärdienst und den höheren Mandatsträgern. Diese Gruppierungen behaupteten durch die meisten der folgenden Jahrhunderte hindurch ihre Macht.

 

 

 

Im November des Jahres 1653 bekamen Peter und Anna Kolgraff einen Sohn namens Jeronimus. Aus Folgedokumenten wird klar, dass Peter and Anna außerdem ältere Kinder hatten. Ein Firmungseintrag vom Pfingstsonntag des Jahres 1657 lässt auf Geschwister in der Reihenfolge der Gerhardt, Apollonia, Maria, Heinrich und Jeronimus schließen.[iv]

Gerhardt Kolgraff aus Bliesheim

Gerhardt Kolgraff war Peter und Anna Kolgraffs Sohn. Sein Geburtsjahr wird vermutlich 1641 gewesen sein. Seine erste Frau hieß ebenfalls Anna. Das Paar hatte mindestens einen Sohn, Heinrich, der 1673 geboren wurde. Anna starb entweder im Kindbett oder in den folgenden Monaten nach Heinrichs Geburt. Am 21. August 1674 heiratete Gerhardt Maria Jorgassum aus Bliesheim. Sie hatten mindestens sieben Kinder, darunter auch die Zwillinge Adam and Anna Maria, geboren am 25. November 1677.

 

          In der nächsten Generation, zwischen 1688 und 1689, zogen die Armeen des Königs Louis XIV. von Frankreich durch das Rheintal, und wieder wurde die Region schwer verwüstet. Der pfälzische Erbfolgekrieg, oder der 9-jährige Krieg der Liga von Augsburg, dauerte von 1689 bis 1697. Trotz aller Kriegsnöte wuchs die Familie Kolgraff während dieser Jahre in Bliesheim an. Einige der Familienmitglieder tauchen in Kirchenbüchern der Nachbargemeinden auf, da sie dort einheirateten und die Geburt ihrer Kinder registrieren ließen.

 

          In der Zeitspanne von 1645 bis 1715 herrschte in Europa eine Kälteperiode mit extrem kalten Wintern, die heute „kleine Eiszeit“ genannt wird. Frühe Astronomen notierten in ihren Beobachtungen das höchst seltene Vorkommen von Sonnenflecken. Mit Hilfe der Prüfbefunde eines späteren Astronomen, E. W. Maunder, fanden heutige Wissenschaftler heraus, dass sich die Sonne damals ausgedehnt und ihre Drehungen verlangsamt haben muss. Als Ergebnis steht fest, dass die Sonne der Erde damals weniger Wärme und Energie spendete. Heute ist diese Zeitspanne als das „Maunder Minimum“ bekannt.

 

          Im Mai des Jahres 1707 legte der spanische Erbfolgekrieg das Rheintal  erneut in Schutt und Asche. Am 7. April desselben Jahres brach der Fujiyama- Vulkan in Japan aus. Die gewaltige Eruption beeinflusste die Wetterverhältnisse auf der ganzen Erde nachhaltig. Die Winter von 1708 und 1709 waren im gesamten Europa[v] ungewöhnlich kalt, mit einem mörderischen Frost bereits im Oktober des Jahres 1708. Dieser lange und harte Winter war wahrscheinlich der schlimmste in der Geschichte der Aufzeichnungen aus jener Zeit.[vi] Die genaue Temperatur ist nicht bekannt, da das Quecksilberthermometer erst im Jahre 1714 erfunden wurde.

 

Zeitgenössische Berichte beschreiben diesen Winter: Die bittere Kälte ließ Tiere in ihren eigenen Spuren festfrieren und Vögel im Flug erstarren.[vii] Der Rhein fror zu, und sogar Teile des Ozeans waren überfroren. Das Sägen und Sammeln von Feuerholz war unmöglich, und viele Menschen erfroren. Anfang April war das Land noch immer zugefroren,[viii] viele der Obstbäume und Weinstöcke waren durch den harten Winter abgestorben. Zusätzlich waren die Steuern so hoch, dass für die Pachtbauern keine Nahrung übrig blieb. Der Sommer von 1709 brachte Missernten und führte zu einer großen Hungersnot, durch die jeder Dritte verstarb.

 

Wie in der Tradition des Mittelalters wurden einzelne Frauen noch bis in das 18. Jahrhundert hinein angeprangert und als „Sündenböcke“ für Missernten und Krankheiten von Mensch und Tier verantwortlich gemacht. Solche Frauen wurden der Hexerei beschuldigt und deswegen auch angeklagt. Die Verfahren wegen Hexerei wurden erst im Jahre 1714 endgültig abgeschafft.

 

Die Verträge von Utrecht von 1713 bis 1715, eigentlich eine ganze Serie von Verträgen zwischen verschiedenen europäischen Nationen, beendeten formell den Spanischen Erbfolgekrieg und brachten relativen Frieden in die Region. Ab dem Jahre 1717 mussten Kinder eine Schule besuchen. Es ist die selbe Zeit, in der Johann Sebastian Bach viele seiner großartigen Kompositionen verfasste.

 

Diese gesamte Zeit überdauerte die Kolgraff Familie, und viele ihrer Generationen sind in den Kirchenbüchern der katholischen Kirche in Bliesheim repräsentiert. Einige der Kolgraffs blieben ihr ganzes Leben in diesem Dorf oder in seiner unmittelbaren Nähe. Andere zogen weiter, um Familien in nahe gelegenen Gemeinden zu gründen.

 

Es ist noch nicht klar, wie diese Familie aus Bliesheim mit unserem Zweig der Familie Kohlgraf verwoben ist. Aufgrund der jährlichen Eintragungen in den Kirchenbüchern von Bliesheim kann man vermuten, dass Johann Kolgraff unser Gründungsvater sein könnte. Er war Adam Kolgraffs Sohn und ist in Bliesheim am 15. Mai 1704 geboren worden. Allerdings gibt es noch keine Bestätigung, die diese Vermutung stützt.

 

 


[i] Source #2, S. 249.

 

 

 

[ii] http://militaryhistory.about.com/cs/wars17thcentury1/index.htm.

 

 

 

[iii] http://encarta.msn.com. entfällt

 

 

 

[iv] FHL 164536, Kirchenbuch 1653-1799, Bliesheim Katholisch Kirche.

 

 

 

[vi] Kenimer, Harkness, http://www.kennamer.com/kenimer.html.

 

 

 

[vii] Kenimer, Harkness, http://www.kennamer.com/kenimer.html.

 

 

 

[viii] http://www.mountainwizard.net/shookhistory/Palatines.htm. 

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